2016 - die Freienvertretung zieht Bilanz

Autor: Hellmuth Nordwig, Freienvertretung

Mittlerweile gibt es die Freienvertretung im BR seit mehr als acht Jahren. Das Jahr 2016 war geprägt von vielen kleinen Erfolgen und dem Erreichen eines politischen Ziels, aber auch von rasch wachsenden Herausforderungen und viel Arbeit.

bilanz2016

 (Die Freienvertretung 2016: v.l Friedrich Schloffer, Yvonne Maier, David Friedmann, Johannes Roßteuscher, Christina Lutz, Hellmuth Nordwig. Arndt Wittenberg und Achim Zeppenfeld konnten beim Fotographieren nicht anwesend sein.)

Das Wichtigste:

Alle Freienvertreter*innen sind anerkannte Ansprechpartner für die 12a-Freien des BR, die uns im Jahr 2016 mit geschätzt 200 Mails und ungezählten mündlichen Anfragen auf Trab gehalten haben. Die Spannbreite der Anforderungen ist groß. Sie reicht von einfachen Informationen ("wann bekomme ich Ausgleichszahlungen?") über Tipps und Tricks ("wie bewahre ich den 12a-Status während einer Babypause?") bis hin zu schwierigen und langwierigen Beratungen ("mein Redaktionsleiter will mir als Pauschalist immer mehr Aufgaben aufbürden"). In einigen Fällen wurden Freienvertreter*innen unterstützend bzw. als Zeugen bei Gesprächen in Konfliktfällen zugezogen. Die Freienvertretung verfolgt hier einen lösungsorientierten Ansatz; in allen Fällen konnte erreicht werden, dass die Freien erhobenen Hauptes aus dem Gespräch gingen.

Freienvertreter*innen sind auch Ansprechpartner für die Mitglieder der Geschäftsleitung und der Personalabteilung, mit der einige Probleme rasch geklärt werden konnten. Mit dem Intendanten Ulrich Wilhelm gab es mehrere Treffen, auch mit fast allen Direktoren. Und dabei wurde deutlich, dass der obersten Führungsebene häufig nicht klar ist, wie sich beschlossene Maßnahmen bei denjenigen auswirken, die von ihnen betroffen sind – bei Freien wie bei Festangestellten. Hier haben wir nicht nur eine deutlich bessere Kommunikation angemahnt, sondern auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Reformen nur dann gelingen können, wenn die Arbeitsbelastung der Kreativen nicht überhandnimmt (wie teilweise bei der Programmreform des BR-Fernsehens) und Veränderungen nicht überstürzt vorgenommen werden (wie bei der Einrichtung von Bayern aktuell).

Die Verunsicherung vieler Freier angesichts der angekündigten Beendigungen haben wir immer wieder nach oben gespiegelt - leider ohne etwas an der sehr belastenden Situation ändern zu können. Diese führt nach unserer Beobachtung dazu, dass große Teile der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Ende des Jahres 2016 auf einem Motivationstief sind. Ein Zustand, der die Qualität des Programms nachhaltig bedroht. Dies haben wir auch den Aufsichtsgremien des Bayerischen Rundfunks, dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat, in einem Brief dargelegt.

Zum ersten Mal ist die Freienvertretung in der Situation, dass einige ihrer Mitglieder von den Veränderungen persönlich in einschneidender Weise betroffen sind. In dieser Lage andere Kolleg*innen mit kühlem Kopf zu beraten, fällt zunehmend schwer. Die hohe Arbeitsbelastung angesichts der vielen Betroffenen und der immer neuen "Baustellen" im BR tut ihr Übriges.

Angesichts dessen freut es uns, dass wir laufend Anerkennung von vielen Kolleg*innen (festangestellt und frei) erhalten und außerdem etwa 400 Euro Spenden verzeichnen konnten. Auch in den Vorjahren war die Spendenbereitschaft sehr hoch. Somit verfügt die Freienvertretung derzeit über rund 2.600 Euro. Wir konnten dadurch beispielsweise mit drei Teilnehmern zum ersten bundesweiten Freienkongress nach Berlin fahren (die Übernachtung erfolgte privat). Die Vernetzung mit Freien und ihren Vertreter*innen aus anderen ARD-Sendern sowie von DeutschlandRadio war sehr wichtig. Wir haben eine Resolution (http://freienkongress.rbbpro.de/) verabschiedet, die Respekt und Rechte für Freie fordert und diese auch der Geschäftsleitung des BR übergeben.

     
   

Kommentare bei Spendenüberweisungen

  • Vielen Dank für eure Arbeit
  • Danke und Gratulation BR-Gesetz
  • Bin endlich festangestellt, trotzdem Dank für euren Einsatz
 
 
     

Von Beginn an hat die gewählte Freienvertretung darauf hingearbeitet, dass eine Vertretung der freien Mitarbeiter*innen im BR gesetzlich verankert wird. Denn derzeit sind wir acht Mitglieder eines eingetragenen Vereins. Wir sind von den Freien gewählt und vertreten sie, was von der Geschäftsleitung wohlwollend toleriert wird. Doch dieser Zustand war unbefriedigend, weshalb die Freienvertretung zunächst darauf hingearbeitet hat, dass Freie - wie in den anderen ARD-Anstalten auch - im Personalrat vertreten sind. Die Mehrheitsfraktion im Landtag konnte sich mit dieser Lösung bedauerlicherweise nicht anfreunden. Jedoch wurde am 8. Dezember 2016 das Gesetz über den Bayerischen Rundfunk geändert und dort erstmals die Existenz einer Freienvertretung festgeschrieben. Näheres regelt ein Statut, das derzeit erarbeitet und voraussichtlich im Frühjahr 2017 dem Rundfunkrat vorgelegt wird. Dies verbuchen wir als großen Erfolg unserer beharrlichen politischen Arbeit!

Vor diesem Hintergrund schien es jedoch nicht sinnvoll, die eigentlich fällige Neuwahl der Freienvertretung im Herbst 2016 durchzuführen. Die 2014 gewählten Freienvertreter*innen bleiben bis auf Weiteres im Amt, bis eine Neuwahl angesetzt werden kann, sobald das Statut in Kraft getreten ist. Arne Wilsdorff ist im Sommer 2015 wegen Festanstellung ausgeschieden; Arndt Wittenberg ist für ihn nachgerückt. Peter Solfrank hat sein Amt Anfang 2016 aus persönlichen Gründen aufgegeben; Nachrücker ist Hellmuth Nordwig. David Friedman scheidet Anfang 2017 ebenfalls aus persönlichen Gründen aus. Nachfolgerin wird Elisabeth Mayer.

Nicht zuletzt ist es uns im vergangenen Jahr gelungen, eine Vernetzung der freien Mitarbeiter*innen des BR anzustoßen: Die geschlossene Facebook-Gruppe "12aler im BR" hatte Ende 2016 fast 200 Mitglieder.

Auch die Website der Freienvertretung (www.freienvertretung.de) mit zahlreichen Informationen wird gut angenommen.